In Sehnsucht eingehüllt

Gedenkkonzert in Erinnerung an die junge jüdische Lyrikerin
Selma Meerbaum-Eisinger


1. November 2009


Foto: Andreas Fischer

In der gut besuchten Zehntscheuer in Eichstetten gab das Duo da Camera aus Karlsruhe (Brunhilde Holderbach, Blockflöten, und Michael Spengler, Viola da gamba) ein Gedenkkonzert in Erinnerung an die junge Lyrikerin Selma Meerbaum-Eisinger. Das Motto lautete „Ich bin in Sehnsucht eingehüllt“. Der Förderverein für Orgel- & Kirchenmusik e. V. und der Geschichtsverein hatten die Künstler im Rahmen des alljährlich stattfindenden Gedenkens an das Schicksal ehemaliger jüdischer Mitbürger eingeladen. Andreas Fischer, der Vorsitzende des Fördervereins, skizzierte zu Beginn die Lebensgeschichte der frühbegabten Lyrikerin. Sie gehörte zur großen jüdischen Gemeinde in Czernowitz (Bukowina), damals zu Rumänien, heute zur Ukraine gehörend.

Selma, ein Mädchen von 16 Jahren, liebte einen Jungen von 17. Sie widmete ihm ein Tagebuch mit wunderbarer Liebeslyrik, die mehr Traum als Wirklichkeit spiegelte. 1942 wurde sie in ein Arbeitslager für Straßenbau deportiert, wo sie im Dezember mit achtzehn Jahren an Typhus starb. Vorher hatte sie ihr Album bei einer Freundin deponiert. Auf abenteuerliche Weise gelangte es schließlich 1980 nach Deutschland.

Brunhilde Holderbach sprach eine Auswahl von neun Gedichten über Morgen und Abend, Regen, Schlaf, Träume und Glück. „Eine Lyrik, die man weinend vor Aufregung liest: so rein, so schön, so hell und so bedroht“ (Hilde Domin). Die sehr feine Rezitation wurde durchsetzt mit Musik der Renaissance- und Barockzeit, meisterlich gespielt auf verschiedenen Blockflöten und begleitet auf der siebensaitigen Gambe. Michael Spengler beeindruckte in besonderer Weise mit seiner Art, die Gambe oft über alle Saiten akkordisch zu zupfen wie eine Laute. Nach dem Konzert konnten sich die tief beeindruckten Zuhörer noch bei Wein und Brot über das Gehörte aussprechen. Die Gedichtsammlung ist unter dem Titel des Konzerts bei Hoffmann & Campe erschienen.
Andreas Fischer

Museumsseite | Stolpersteine in Eichstetten | zurück