![]() rechts Bürgermeister Michael Bruder, daneben Manfred und Alisa Bloch Foto: Horst David Am 31.10.2010 versammelte sich eine stattliche Anzahl von Bürgern und Bürgerinnen zum Empfang von Manfred und Alisa Weil bei Bürgermeister Michael Bruder im Eichstetter Rathaus. Der 90jährige Maler Manfred Weil, wohnhaft in der Nähe von Bonn, ist der Enkel von Ernestine Weil, in Eichstetten als „Esterle“ bekannt. ![]() Hellwach und lebhaft erzählte Herr Weil von Erinnerungen an die Besuche bei Großmutter und Tante Auguste in Eichstetten in den 20er und 30er Jahren, zunächst mit dem Vater Emil Weil, letztmalig wohl 1936 alleine mit seinem Bruder Anatol. Er berichtet aber auch über seine mutige Flucht aus Gurs und die gefährlichen, oft aberwitzigen Erlebnisse der Flucht quer durch Frankreich, Belgien, Deutschland, Schweiz, wo er selbst dort interniert von Lager zu Lager transferiert wurde. Diese Passagen seines Lebens liest man am besten in seinem Buch nach, das er der Gemeinde als Geschenk mitbrachte. ![]() Beim Rundgang Richtung Haus Hauptstraße 54 verharrt Manfred Weil schweigend und bewegt vor den drei Stolpersteinen für Großmutter „Esterle“ Weil, für Tante Auguste Bloch, geb. Weil und deren Ehemann Siegfried Bloch: Einige Momente des stummen Besinnens. ![]() Dann tauchen alte Bilder auf; Manfred Weil erkennt den Hauseingang wieder, erinnert sich an Teile der alten Hofbebauung und will den weinumrankten Laubengang im Garten sehen. Er beschreibt ihn den Anwesenden, denn heute stehen davon nur noch Fundamente. Herr Danzeisen erläutert Verändertes und Bestehendes auf dem Anwesen. ![]() Etwas ganz Besonderes hat Frau Doris Danzeisen dem Ehepaar Weil zum Geschenk gemacht, oder soll man sagen nach 70 Jahren weitergegeben: Ein von ihr liebevoll geschmücktes altes Gestell mit zwei Halterungen für Packpapierrollen. Danzeisens haben es in dem heute als Abstellkammer genutzten Raum im Kellergeschoss des Hauses gefunden, dort wo einst die Tante Auguste ihren kleinen Laden betrieb. Dieses typische Inventarstück eines Geschäfts stammt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der Familie Bloch/Weil. ![]() Es fing schon an, dämmrig zu werden, als die Gäste die Gräber ihrer Vorfahren auf dem jüdischen Friedhof aufsuchten: den Grabstein des bereits 1938 in Dachau ermordeten Siegfried Bloch, das Grab des Urgroßvaters und das sehr alte Grab der Urururgroßmutter Reiz Levi Gros vom Jahr 1825. Deren Ehemann ist wohl noch in Emmendingen beerdigt, weil der Eichstetter jüdische Friedhof noch nicht angelegt war. Lange hielt man sich bei dem Kindergrab von Jakob Weil auf, der in Buffalo/ USA 1887 geboren wurde und 1890 in Eichstetten starb. Schon zuvor hatten Manfred und Alisa Weil die in Eichstetten fehler- und lückenhafte Biographie von Ernestine Weil geklärt. Ernestine Weil, geb. Weil, verheiratet mit Isaak Weil, hatte drei Kinder, Emil, Auguste und Jakob, der bei einem Aufenthalt in Amerika auf die Welt kam. In Amerika lebte in guten Verhältnissen bereits ein Familienmitglied Weil. Als Ernestines Ehemann sehr früh starb – sein Grab haben wir auf dem Eichstetter Friedhof nicht gefunden – wurde der 5/6 jährige Emil, Manfred Weils Vater, zu diesem Onkel nach Amerika in Obhut gegeben. Manfred Weil beklagt immer noch das schwere und fürchterlich endende Leben seines Vaters, der mit ihm zusammen von Belgien aus nach Gurs transportiert wurde und, ebenso wie seine Schwester Auguste, die er dort wiedersah, in Auschwitz ermordet wurde. „Die glücklichsten Jahre seines Lebens hat mein Vater bei der Mutter in Eichstetten verbracht“. Hier wird man zukünftig auch seiner gedenken. Neben den Stolpersteinen der Mutter und Schwester wird ein Stein für Emil Weil verlegt werden. Gerührt verspricht das Ehepaar Weil zur Verlegung des Steins erneut nach Eichstetten zu kommen, falls die Gesundheit es zulässt. Text: Ursula
Kügele / Fotos: Dieter Kügele
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