Ilse Biedermann
(Kurzbiographie)







Ilse Biedermann
Foto aus der Eichstetter Chronik, Band 2; S. 134
(Ausschnitt, ganzes Foto)
Ilse Hofeler/Biedermann wurde am 26.1.1905 als Tochter des Viehhändlers Alfred Hofeler und seiner Frau Marie, geb. Maier in Eichstetten geboren. Ihre Großmutter war die in Eichstetten sehr bekannte Auguste Hofeler, die 1941 im Internierungslager Gurs starb, und zu deren Andenken 2007 vor dem Wohnhaus Hauptstr. 35 ein Stolperstein verlegt wurde.

Ilse Hofeler wuchs mit zwei Brüdern auf, mit Arthur, der später Reisender der Papierfabrik Epstein wurde, und mit Max (geb.1906), der des Vaters Gehilfe im Viehhandel wurde. Daneben gab es noch zahlreiche Kinder ihres Alters in christlichen wie jüdischen Familien, wenn auch die jüdische Gemeinde in Eichstetten ab 1900 zahlenmäßig abnahm. Im Juni 1932, wenige Monate vor der Machtübernahme der Nazis in Deutschland, starb Ilses Mutter. Es ist anzunehmen, dass Ilse fortan für die Haushaltsführung zuständig war. Bereits 1935 war der Vater Alfred Hofeler von den restriktiven Maßnahmen des sogenannten “Reichsnährstandes“ betroffen, da diese Organisation die Konzessionen an Viehhändler fortan nicht nur auf ein Jahr beschränkte, sondern ab 1937 die Neuvergabe der Konzession an die nicht näher beschriebene persönliche Zuverlässigkeit der entsprechenden Personen koppelte. Die wirtschaftliche Unsicherheit für diese Berufsgruppe nahm beängstigend zu. Es war daher eine kluge Entscheidung, dass im April 1936 der Sohn Max in das Land der Viehzucht, nach Argentinien auswanderte. Tatsächlich war der Vater Alfred Hofeler 1937 in Eichstetten das erste Opfer der willkürlichen und diskriminierenden Konzessionsvergabe. Es wurde ihm: (Zitat) der Handel mit Vieh im gesamten Reichsgebiet untersagt, da der Handeltreibende die für den Handelsbetrieb erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitze (übliche Formulierung für Juden). Vermutlich fiel die Wahl auf ihn, weil mehrere Personen von seinen Einkünften abhängig waren, nicht nur seine Kinder, sondern auch seine alte Mutter Auguste Hofeler und seine beiden bereits verwitweten Schwestern, die ebenfalls in Eichstetten wohnten.

1936 konnte ein letztes frohes Ereignis gefeiert werden: Am 21.2.1936 heiratete Ilse Hofeler in Eichstetten den 35jährigen Isidor Biedermann aus Randegg. Im April 1936 zog das Ehepaar nach Gailingen/Bodensee. In den amtlichen Unterlagen des Ortes Gailingen steht am 10. Februar 1938, dass der Reisende Isidor Biedermann anzeige, dass seine Ehefrau Ilse am 7. Februar 1938 im jüdischen Krankenhaus ein Mädchen geboren habe, das den Namen Marianne erhalten habe. Im gleichen Jahr 1938 verließ auch Ilses Bruder Arthur Eichstetten. Er zog mit seiner Ehefrau Else zunächst nach Schmieheim, wanderte nach England aus und von dort in die USA. Auch Ilse und Isidor Biedermann bemühten sich in Konstanz um Auswanderung. Es war jedoch zu spät. Am 22.10.1940 wurden das junge Ehepaar, ihr zweijähriges Töchterchen und der Bruder des Ehemanns nach Gurs deportiert.

Das gleiche Schicksal erlitten in Eichstetten der Vater Alfred Hofeler, seine verwitweten Schwestern und seine 87jährige Mutter Auguste Hofeler, die die Strapazen des Lagers nicht überlebte. Alfred Hofeler und seine Schwester Regine Kleefeld wurden von Gurs aus in ein französisches Altersheim verlegt und überlebten dadurch die Kriegsjahre.

Im Lager selbst bemühten sich mehrere Hilfsorganisationen, Kinder unter 16 Jahren aus dem Lager herauszuholen, um sie in Sicherheit zu bringen. So trennten sich auch Ilse und Isidor Biedermann schweren Herzens von ihrer kleinen Tochter. Sie hofften sicher auf ein späteres Wiedersehen. Aber ab Mitte 1942 erfolgte in mehreren Schüben der Abtransport der jüdischen Gefangenen in das Übergangslager Drancy bei Paris und von dort die Deportation nach Auschwitz, wo Ilse und ihr Ehemann ermordet wurden.

Die Tochter Marianne Biedermann überlebte den Krieg und kam nach Kriegsende 1946 als 8jähriges Mädchen in die USA. Dort wurde sie von dem Eichstetter Marcel Dreifuss, (geb. 1901), adoptiert, der schon früh in die USA ausgewandert war. Mit Sicherheit war ihm noch Mariannes Mutter Ilse Biedermann/Hofeler aus der Jugendzeit ein Begriff. Marianne Dreifuss-Biedermann ist leider relativ früh verstorben. Sie wäre heute 71 Jahre alt.


Ursula Kügele, Stand August 2009

Stolpersteinverlegung für Ilse Biedermann
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