Babette Dreifuss

Eisengasse 8
(vormals Judengässle)


(Kurzbiographie)
Babette
Dreifuss
Babette Dreifuss

Foto aus der Eichstetter Chronik,
Band 2;
S.142

Nach der Wohnraumerfassung vom Juni 1936 wohnten in Fachwerkhaus Eisengasse 8 damals die Witwe Babette Dreifuss und das Metzgerehepaar Ehepaar Jakob und Melanie Bickart. Babette Dreifuss, 1863 in Altdorf geboren, war mit dem Handelsmann Moritz Dreifuss verheiratet, der 1853 in Eichstetten geboren wurde. Er war der Älteste von drei Brüdern, die alle in Eichstetten geboren waren und dort Familien gegründet hatten.

Moritz Dreifuss hatte am 13.3.1883 die fünf Jahre jüngere Jette Dreifuss (Mädchenname) aus Altdorf geheiratet. 9 Monate später bringt Jette Dreifuss die Tochter Fanny zur Welt. Die Mutter erkrankte an dem gefürchteten Kindsbettfieber und starb im Alter von 25 Jahren. Weniger als ein Jahr nach der Hochzeit war Moritz Dreifuss, 30-jährig, bereits Witwer mit einem neugeborenen Kind. Für diese Fälle sieht das jüdische Religionsgesetz vor, dass der Witwer - sofern vorhanden - eine unverheiratete Schwester der verstorbenen Frau heiratet, zum Wohle zurückbleibender Halbwaisen. Moritz Dreifuss heiratete noch im Jahr 1884 die 10 Jahre jüngere, erst 20-jährige Babette Dreifuss, Schwester von Jette Dreifuss. Die kleine Fanny Dreifuss starb nichtsdestotrotz im Januar 1884.

Mit Babette Dreifuss hatte Moritz Dreifuss drei Kinder: Den ersten Sohn Arnold, der später nach Australien auswanderte und englischer Staatsbürger wurde, die Tochter Hermine, die 1925 als 36-Jährige in Eichstetten verstarb und den 1893 geborenen Sohn David, der wahrscheinlich bereits im Kindesalter verstarb. Der Ehemann Moritz Dreifuss starb 69-jährig im Jahr 1923. Babette Dreifuss war alleinstehende Witwe, hatte aber durch die Brüder ihres Mannes Schwäger und Schwägerinnen, Nichten und Neffen in der Nähe.

Ab November 1938 wurden die Lebensbedingungen der jüdischen Mitbürger nicht nur sehr schwierig sondern grauenvoll. Am Tag der Zerstörung der Synagoge wurde auch das Haus Eisengasse 8 beschädigt. Die am selben Tag erfolgte Festnahme aller männlichen Eichstetter jüdischen Glaubens und deren Deportation nach Dachau hat Babettes Schwager Abraham Dreifuss nicht überlebt. Dessen Sohn Max Dreifuss und der Mitbewohner des Hauses Eisengasse, Jakob Bickart, kehrten als erste Eichstetter aus Dachau nach Hause zurück: verändert, verstört, und mit dem Ziel, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen. Schwager Max Dreifuss wanderte im Februar 1939 zu seinem Sohn Marcel in die USA aus. Die noch relativ jungen Kinder des ermordeten Schwagers Abraham (Max und Irma Dreifuss, Lilly und Siegfried Sommer mit Sohn Armin) bemühten sich um Auswanderungsgenehmigungen. Sie zogen zwecks besserer Informationslage nach Freiburg. Der Mitbewohner des Hauses Eisengasse, Jakob Bickart, konnte sich selbst und seine zweite Frau im Jahr 1939 in die USA in Sicherheit bringen.

So waren Ende 1939 außer Babette Dreifuss keine Mitglieder der Dreifuss-Familie mehr in Eichstetten. Unter Zurücklassung ihres Mobiliars ging Babette Dreifuss 1940 nach Freiburg zu Bekannten oder Verwandten, wenige Monate vor der überraschenden Deportation. Am 22. Oktober 1940 wurden sie und auch die o.g. Angehörigen in Freiburg festgenommen und in das Internierungslager Gurs deportiert. Am 9.1.1941 starb sie dort, 77-jährig, an den miserablen Haftbedingungen.

Ursula Kügele, Stand Juli 2008

Stolperstein für Babette Dreifuss
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