Sophie Epstein
(Kurzbiographie)



Mathilde Epstein geb. Veit
(
Mutter von Sophie Epstein,  von der es kein Foto in der Eichstetter Chronik gibt)
Im Altweg in Eichstetten stand bis 1938 die Synagoge. Es ist daher nicht verwunderlich, dass zahlreiche jüdische Bürger im Umkreis ihres Gotteshauses wohnten. So auch der Mehlhändler David Epstein mit seiner Ehefrau Mathilde, geb. Veit, und seinen Kindern Siegfried (Jg. 1891) und Sophie (Jg. 1895). Die Familie stammt von den ältesten in Eichstetten nachgewiesenen jüdischen Familien ab. Gegen 1800 trug sie noch den Namen Levi, bis sie 1809 einen festen erblichen Namen annehmen musste und sich für Epstein entschied. In 4 Generationen stellten die Epsteins die Vorsteher der jüdischen Gemeinde.

Über David Epstein hörte man im Ort: „Der einzige Jud’, der was schafft!“ Der Mehlhändler Epstein fuhr die Mehlsäcke auf seiner vollbeladenen Karre zu seinen Kunden im Dorf. Diese Arbeit galt etwas, denn sie war mit großer körperlicher Anstrengung verbunden. Der Handel mit Vieh hatte bei den Bauern nicht den gleichen Stellenwert. Der Sohn Siegfried wanderte schon früh in die USA aus. Als in den 30er Jahren die Lebensbedingungen für die jüdische Bevölkerung immer schwieriger und unsicherer wurden, dachte wohl auch diese Familie an Auswanderung. Aber der weit über 70jährige Vater traute sich diesen Wechsel wohl nicht mehr zu. Er starb 1938, 75jährig und wurde auf dem hiesigen jüdischen Friedhof beerdigt. Glücklicherweise, möchte man sagen, erlebte er die Zerstörung der Synagoge nicht mehr.

Die zurückgebliebenen Frauen, die 74jährige Mutter Mathilde und ihre 45jährige Tochter Sophie bemühten sich um eine Ausreise in die USA. Zu diesem Zeitpunkt war dies nur mit einem Affidavit, einer Bürgschaftserklärung des Sohnes möglich. Es war ein Glücksfall, dass eine Einreisegenehmigung im Juli 1939 noch genehmigt wurde. Die Mutter wanderte als erste aus. Man kann mutmaßen, dass dies gerade mit dem Alter, mit der Beschwerlichkeit der Reise und einer befürchteten Altersbegrenzung zusammenhing. Sicher hatten die zwei Frauen keinen Zweifel daran, dass die Tochter binnen weniger Wochen würde nachreisen können. Zum Zweck der rascheren Regelung der Ausreiseformalitäten zog Sophie im September 1939 sogar noch nach Freiburg um. (So gibt es von ihr kein Foto in der sogannnten Judenkartei.)

Der Beginn des zweiten Weltkriegs und die überraschende Deportation der Juden nach Gurs am 22.10.1940 machten die Pläne zunichte. Sophie war unter den Deportierten. 1942 wurde sie ins Übergangslager Drancy bei Paris gebracht und von dort im Konvoi am 6.11.1942 mit weiteren 1000 Juden nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von 48 Jahren ermordet. Täglich wird die Mutter in Amerika daran gedacht haben, dass ihre Tochter noch leben könnte, wenn sie als erste in die USA eingereist wäre.


Ursula Kügele, Stand August 2009

Stolpersteinverlegung für Sophie Epstein
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