Karl und Rosa Hauser
Altweg 23

(Kurzbiographien)
Karl HauserRosa Hauser
        Karl Hauser                    Rosa Hauser


Foto aus der Eichstetter Chronik, Band 2; S.142

Salomon Hauser, Jahrgang 1845 und seine Ehefrau Karoline, geb. Weil, Jg.1849, zogen nach ihrer Hochzeit, etwa um das 1875, nach Eichstetten zu. Der Beruf des Ehemanns wird mit Handelsmann angegeben. Spätestens ab 1892, nach dem Tod des Synagogendieners Bär Maier, versah Salomon dieses Amt in Eichstetten bis ins hohe Alter hinein, vielleicht bis zu seinem Tod im Jahr 1936. Möglich ist, dass Salomon Hauser schon seit Übernahme dieses Amtes im Altweg 23 wohnte, also nahe bei der Synagoge. Von der Tätigkeit als Synagogendiener war der Lebensunterhalt seiner Familie allerdings nicht zu bestreiten, so dass er nach wie vor seinem Beruf nachging. Das Ehepaar hatte 4 Kinder, von denen das erste tot geboren wurde. Die weiteren Kinder waren:

Karl Hauser
, geb. am 23.2.1881
Herrmann Hauser, Jg.1883, er starb 1913 im Alter von 31 Jahren.
Rosa Hauser, geb. am 21.5.1888

Als die Ehefrau und Mutter Karoline Hauser im Jahr 1922 starb, wohnten der 77-jährige Vater mit Sohn Karl und Tochter Rosa mit großer Wahrscheinlichkeit im Altweg 23 zur Miete, dort wo sie auch bei der Wohnraumerfassung im Juni 1936 registriert wurden (Chronik S.138/39). Da der Vater, 90-jährig, bereits im Januar 1936 verstarb, sind in der Statistik nur noch die Geschwister Karl und Rosa aufgeführt. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, was das Leben der Geschwister betrifft. Hat Karl Hauser am ersten Weltkrieg teilgenommen? Die Schwester Rosa, Berufsangabe Büglerin, war Ende des ersten Weltkriegs bereits 30 Jahre alt. Wieso war sie nicht verheiratet? War sie in der Rolle als Hausfrau für den Bruder, den betagten Vater und die vielleicht kranke Mutter unentbehrlich? Auch weiteres bleibt im Dunkeln. An keiner Stelle fand ich einen Vermerk, dass das Geschwisterpaar ins Ausland ausreisen oder fliehen wollte. Waren es fehlender finanzieller Spielraum, oder einfach das natürliche Gefühl, Deutscher zu sein, hier beheimatet zu sein und niemandem etwas zu Leide getan zu haben, was sie bewog, in der gewohnten Umgebung auszuharren? Dies trotz Synagogenbrand und vorübergehender Deportation von Karl Hauser ins KZ Dachau.

So wurde das Geschwisterpaar am 22.Oktober 1940 von Eichstetten aus nach Gurs deportiert, von dort 1942 über Drancy nach Auschwitz transportiert und dort ermordet. Was den Wohnsitz Altweg 23 anbetrifft, so ist es möglich, dass Karl und Rosa Hauser zwischen 1937 und 1939 noch in das Haus Mühlenstraße 16 umgezogen sind. Dieses Haus gehörte der Witwe Mathilde Rothschild. Mathilde Rothschild hatte einen Sohn, der bereits in die USA ausgewandert war. Sie entschied sich, zu ihrem Sohn auszuwandern. Aus diesem Grunde schloss sie mit den Geschwistern Hauser einen sog. Verpfründungsvertrag ab. D.h. auf der Basis eines gegenseitigen Treueverhältnisses zwischen Leihendem und Beliehenen wurde das Haus in der Mühlenstraße 16 an Karl und Rosa Hauser verliehen. Als im Januar 1939 die Mitbewohnerin Johanna Dreifuss nach Karlsruhe gezogen war, und im November 1939 der bereits 77-jährigen Mathilde Rothschild die Auswanderung geglückt war, könnten Karl und Rosa Hauser das unbewohnte Haus übernommen haben. Wenige Monate später erfolgte die überraschende Deportation nach Gurs. Da die Geschwister Hauser den größten Teil ihres Lebens im Haus Altweg 23 verbrachten, wurden hier zum Gedenken an sie die Gedenksteine verlegt.

Ursula Kügele, Stand Juli 2008

Stolpersteine für Karl und Rosa Hauser
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