Moritz Weil,
Ehefrau Rosa
geb. Hofeler,
und Tochter
Rena Weil

(Kurzbiographien)
Moritz WeilRosa WeilRena WeilMoritz Weil                Rosa Weil                 Rena Weil

Fotos aus der Eichstetter Chronik, Band 2; S.142 (S. 113)

Die jüdische Gemeinde von Eichstetten benötigte Metzger und Bäcker zu Einhaltung des jüd. Reinheitsgebots (koschere Speisen). Moritz Weil war Metzger, der letzte jüdische Metzger Eichstettens. In der Steuerliste von 1909 waren zwei Metzger angeführt: Jakob Bickart u. Moritz Weil. In der Steuerliste von 1900 waren es Jakob Bickart und Hermann Weil, der Vater von Moritz Weil. In der Ahnentafel stößt man auf den Großvater Marx Weil, ebenfalls Metzger. Dessen Vater, Löb Weil, war noch vor 1800 nach Eichstetten gekommen. Diese Weils gehörten also zu einer alteingesessenen Eichstetter Familie mit langer Metzgertradition. Moritz Weil wurde 1877 in Eichstetten geboren, als 4. der 5 Kinder des Metzgers Hermann Weil und dessen Ehefrau Julie. Der Sohn Moritz war es, der unter den Kindern die Metzgertradition fortsetzte und zwischen 1901 und 1909 die väterliche Metzgerei übernahm.
Etwa 1906 heiratete er Rosa Hofeler aus Eichstetten. Sie war übrigens die Nichte von Isaak Hofeler, zu dessen Andenken ein Stolperstein vor Altweg 11 verlegt ist. Das Ehepaar hatte eine Tochter, die 1908 geborene Rena. Um die wirtschaftliche Situation des Metzgereibetriebs unter Leitung von Moritz Weil einzuschätzen, muss man berücksichtigen, dass zur Klientel einer koscheren Metzgerei hauptsächlich jüdische Mitbürger zählten. Von 1900 an nahm die Zahl der jüdischen Bürger in Eichstetten aber successive ab: von über 250 im Jahr 1900 auf 129 Personen im Jahr 1925 bis auf gerade noch 90 Personen im Jahr 1933. Auch wenn man einkalkuliert, dass Jakob Bickart, der 2. Metzger vor Ort älter als Moritz Weil war und sein Geschäft vielleicht schon vor 1933 aufgab, wurde doch die wirtschaftliche Situation von Jahr zu Jahr schwieriger. Als 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten das Schächten von Tieren reichsweit verboten wurde, stellte sich für ein derartiges Geschäft die Existenzfrage.

Die Sorge der Eltern galt natürlich ihrer Tochter Rena. Aus dem Jahr 1933 ist in der Eichstetter Chronik (S.113) ein reizendes Bild dreier Freundinnen abgedruckt: Rena Weil, Klara Rinklin und Meta Weil (Foto). Welche Zukunftspläne diskutierten diese Drei? Rena Weil ging in den 30iger Jahren nach Stuttgart. Ob sie dort noch die Möglichkeit zu einer Weiterbildung hatte, ist eher unwahrscheinlich. Jedenfalls kam sie 1938 ins Elternhaus nach Eichstetten zurück. Der Viehhändler Isaak Weil, der Vater von Renas Freundin Meta, unterstützte schon früh die Ausreise seiner 5 Kinder. Meta soll bereits 1935 nach Rotterdam/Niederlande ausgewandert sein. Ihr ist 1939 die Flucht nach England gelungen. Die Freundin Rena Weil ging im März 1939 in die Niederlande. Eine Flucht nach England gelang ihr jedoch nicht mehr. Sie wurde nach Kriegsbeginn von den Nazis nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Die Eltern Moritz und Rosa Weil, immer noch in Eichstetten, wurden wie alle noch Verbliebenen, am 22.10.1940 von hier nach Gurs in den Pyrenäen deportiert, von wo sie 1942 über das KZ Drancy nach Auschwitz transportiert und dort ermordet wurden.

Ursula Kügele, Stand Juli 2008

Stolpersteine für Moritz, Rosa und Rena Weil
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