Thekla Weil
(Kurzbiographie)






(Nicht verwechseln mit Thekla Weil, geb.1887, die auch im Altweg wohnte und noch aus Deutschland fliehen konnte. Ihr Vater hieß auch David, starb in den 30er Jahren und war mit Leopoldine Kleefeld verheiratet.)
Thekla Weil, Altweg 13
Foto aus der Eichstetter Chronik, Band 2; S. 143

Mit dem Stolperstein im Altweg 13 gedenken wir Thekla Weils, die im Alter von 54 Jahren in Auschwitz ermordet wurde. Es gibt Lebensläufe, über die wir wenig in Erfahrung bringen können. Die Vorfahren dieser Familie Weil im Altweg 13 zählen zu denjenigen Weils, die sich bereits vor 1800 in Eichstetten niedergelassen hatten. Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof befinden sich acht Grabsteine direkter Vorfahren von Thekla Weil. Theklas Vater David Weil, 1855 in Eichstetten geboren, war das 7. von 11 Kindern des Isaak Weil, (Jg. 1811). David heiratete 1886, im Alter von 31 Jahren die 27jährige Paulina Bloch aus Schmieheim. Als Beruf war bei ihm Magaziner angegeben. 1887 wurde der Sohn Joseph geboren und am 31.5.1888 die Tochter Thekla. Thekla war noch keine 4 Monate alt, als der Vater, erst 33jährig, am 22.9.1888 starb. Die 29jährige Witwe war nun alleine mit den zwei sehr kleinen Kindern. Da Frauen damals noch keine eigenständige Berufsausbildung erwarben, wird es ein Leben in Bescheidenheit gewesen sein, das die Familie führte, geprägt von der Erziehung der beiden Kinder, den Regeln der Religion und der Notwendigkeit, den Alltag zu meistern. Allzu groß wird die Unterstützung durch die Familie ihres Ehemannes vor Ort nicht gewesen sein, denn von den 10 Geschwistern ihres verstorbenen Mannes hat keines in Eichstetten geheiratet und nur ein Bruder ist im Erwachsenenalter in Eichstetten gestorben.
Irgendwann hat der Sohn Joseph Eichstetten verlassen – wir kennen seinen weiteren Werdegang nicht – und Mutter mit Tochter blieben in Eichstetten zurück. Die mutwillige Zerstörung der hiesigen Synagoge am 10.11.1938 muss für die beiden Frauen, die ja gegenüber vom Gotteshaus lebten, die schiere Hölle gewesen sein. Die Mutter Paulina Weil war damals bereits 79 Jahre alt, die Tochter Thekla 50 Jahre alt. Aus heutiger Sicht kann man es als Gnade empfinden, dass die 80jährige Mutter am 16.8.1939, gut ein Jahr vor der überraschenden Deportation der badischen Juden starb. Ihre Beerdigung war die vorletzte auf dem jüdischen Friedhof in Eichstetten. Thekla Weil wurde am 22.10.1940 mit den verbliebenen Eichstetter Juden nach Freiburg gebracht und von dort in das südfranzösische Lager Gurs deportiert. Zwei Jahre später erfolgte der Transport nach Drancy bei Paris; wenig später dann der Weitertransport nach Auschwitz. Das KZ Auschwitz hat kein Eichstetter jüdischen Glaubens überlebt.


Ursula Kügele, Stand August 2009

Stolpersteinverlegung für Thekla Weil
Stolpersteine in Eichstetten | zurück