Abraham Dreifuß (Kurzbiographie)

Abraham Dreifuß wurde am 15. Mai 1865 in Eichstetten in eine hoffnungsvolle Zeit hineingeboren. 1862 war in Baden das Gesetz über die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten in Kraft getreten. Eichstetten hatte damals über 400 Einwohner jüdischen Glaubens, was ca.14% der Bevölkerung entsprach. Das Zusammenleben der Konfessionen vor Ort konnte als gut bezeichnet werden. Zunächst besuchte Abraham noch die jüdische Schule, nach Aufhebung der Konfessionsschulen ab 1876 die örtliche, allgemeine Schule. 1882 trat er als Lehrling in das Manufakturwarengeschäft Diebold u. Söhne in Eichstetten ein. Nach der Lehre war er kurze Zeit auswärts tätig, kehrte dann wieder nach Eichstetten zurück. Er trat erneut in das Geschäft Diebold und Söhne ein und behielt die Stellung als Reisender bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs. Mit Franz A. Diebold feierte er sein 25-jähriges Jubiläum in diesem Geschäft.

Nach der Heirat mit Johanna Alexander wurden dem Ehepaar Dreifuß 1896 die Tochter Lilly und 1899 der Sohn Max geboren. 1914 verliert Abraham Dreifuß seine Arbeitsstelle. Das Geschäft wechselt den Besitzer. 1916 wird Sohn Max zum Kriegsdienst eingezogen. Schwerkrank kommt er aus dem Krieg zurück. 1923 stirbt die Mutter Johanna. Die Tochter Lilly und deren Ehemann eröffnen in Eichstetten ein eigenes kleines Textilgeschäft und werden dabei von Abraham Dreifuß nach Kräften unterstützt. Ab 1933 führten die politischen Veränderungen auch in Eichstetten zu einem starken atmosphärischen Wandel. Was bisher normal, anständig und gut nachbarschaftlich war, sollte nun verwerflich und schädlich für das sog. Deutschtum sein. Es gab Denunziation ebenso wie untadeliges, mitmenschliches Verhalten vor Ort.

Am 10.11.1938 wurde von auswärtigen Rädelsführern und Helfershelfern vor Ort die Synagoge in Eichstetten niedergebrannt. Außerdem wurden alle männlichen Eichstetter jüdischen Glaubens abgeführt und nach Dachau transportiert, darunter Abraham Dreifuß und sein Sohn Max. In Dachau wurde der Vater vor den Augen des Sohns derart gequält, dass er an den Folgen der Misshandlungen am 22.11.1938 in Dachau starb. Sohn Max wurde am 20.11.1938 entlassen.
(Ursula Kügele, Wittnau)

Foto von Abraham Dreifuß | Stolpersteinverlegung für Abraham Dreifuß
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