Begleitende Bergung der Funde vom Bruderhäusle
beim Turmbau auf der Eichelspitze

 
Dokumentation von Axel Lott, Endingen
 
Bei der neuerlichen Bergung der Funde war das Material dem von 2002 sehr ähnlich, doch fand sich dieses Mal sehr wenig Metall. Dies liegt wohl daran, dass die neuen Funde aus einem Bereich stammen, der mit Bau- und anderem Schutt verfüllt wurde, während die Funde von 2002 größtenteils aus dem ehemals bebauten Bereich und dessen Hangschutt stammen. Während es sich bei den Funden von 2002 ausschließlich um Oberflächenfunde handelt, überdauerten die neuen Funde die Jahrhunderte im halbwegs schützenden Erdreich.

Beim Abbaggern der Fundamentgrube für den Turm, kam nach Auskunft des Bauleiters, der die Baggerarbeiten begleitet hat, in der südöstlichen Ecke eine etwa 4x4 m messende in den Fels eingetiefte Ebene zutage, die sich zum Osthang hin noch etwa 3 m fortsetzt und dann auskeilt, während ansonsten Felsgestein anstand. Diese Ebene, auf dem vielleicht ein Stall, Scheune oder Schutzdach für die Tiere stand, war etwa 1 m hoch aufgefüllt. In dieser Füllung lagen in einer auffallend schwarzen Erde Mengen von Hohlziegeln, Backsteinen und Mörtelstuck. Außerdem Geschirr- und Ofenkeramik, Knochen, Glasscherben, einige Nägel und ein Messer mit einem Bronzemanschettchen. Schon 2002 fanden sich hin und wieder Fensterglasscherben, die nun aber in deutlicher Menge zum Vorschein kamen. Es handelt sich um zwei verschiedene Arten, eine hellgrüne, noch durchsichtige und eine braun verwitterte Variante, die mengenmäßig weit überwiegt. An originalen Kanten der braunen Art, sind noch Abdrücke der Bleiruten zu erkennen, mit denen die einzelnen, rhombenförmigen Scheibchen aneinander gesetzt wurden.

Ein grün glasierter Pfeifenkopf und ein gelb glasierter Topf mit floralem Dekor, die sich ebenfalls in der ausgebaggerten Füllung befanden, weisen auf spätere Besuche des Berggipfels. Durch dessen beherrschende Lage über dem Breisgau, hat es wohl schon immer neben den Freizeitaktivitäten, auch militärische Aktivitäten dort gegeben. Dies sollte beim Auswerten der Funde berücksichtigt werden.

Weder bei der aktuellen, noch bei der Fundbergung 2002 kamen irgendwelche Reste von Bundsandstein zum Vorschein, wie er normalerweise bei Steinbauten, insbesondere bei Kapellen und Kirchen als Eckquader und/oder Fenster- und Türgewänder Verwendung fand. Bei der aktuellen Bergung zeigten sich nun große Mengen von Mörtelstuck in Form von wulstförmigen Leisten, aus einem feinen, weißen Kalkmörtel, mit etwa drei verschiedenen Radien. Die Fenster- und Türeinfassungen wurden damit den Bundsandsteingewändern nachempfunden. (Ein Beispiel für diese wulstförmige Verzierung bietet der Haupteingang der Eichstetter Kirche. Dort sieht man es aus dem Bundsandstein herausgearbeitet. Es gibt auch Beispiele mehrerer Wülste hintereinander, kleiner werdend, angeordnet.) Das Bruchsteinmauerwerk der Gebäude bestand aus Vulkangestein und war verputzt. Bei statisch problematischen Bereichen, z.B. Bögen oder Gewölben, wurden anscheinend Backsteine in unterschiedlichen Formaten verwendet. Die farbige Gestaltung der Außenwände und rot bemalte Einfassungen kann man sich vorstellen.

Als Überraschung kamen Bruchstücke von verschieden farbigen, glasierten Dachziegeln zutage. Da nur wenige Bruchstücke vorliegen, ist anzunehmen, dass man beim Abbruch der Gebäude die recht wertvollen, glasierten Dachziegel abtransportierte und wieder verwendete, während die Hohlziegel vor Ort blieben. Es spricht einiges für eine farbige Eindeckung des Kapellendaches, während die anderen Baulichkeiten mit Hohlziegeln eingedeckt waren. Mengen von Schindelnägeln die 2002 zutage kamen, zeugen auch von Schindeleindeckung. Vielleicht wurde im Verlauf der etwa 150 Jahre, in dem das Bruderhäusle bestand, Umbauten vorgenommen. Verschiedene Ofenkeramik deutet darauf hin.

Wie schon 2002 kamen wieder recht viele Scherben von Dreibeintöpfen zum Vorschein - dem damals typischen Kochgeschirr. Das Randstück eines flachen Öllämpchens, die Nuppe eines so genannten „Krautstrunkes“ - das sind Weintrinkgläser die an abgeerntete Rosenkohlstiele erinnern – und der Henkel einer Bügelkanne sind besonders zu erwähnen.

Es stehen weitere Untersuchungen an, die vielleicht mehr Licht ins Dunkel der Vergangenheit bringen.


Axel Lott Mai/Juni 2006

Fotos der 2006er-Funde


Einweihung des Eichelspitzturmes

Das vergessene St. Peterskloster auf dem Kaiserstuhl
Das Bruderhäusle auf der Eichelspitze mit der St. Erhardskapelle
Karte: Lage von Peterskloster, Totenkopf und Einsiedelei
 
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