Das vergessene St. Peterskloster auf dem Kaiserstuhl
(domus fratrum sancti Pauli dictum Kaiserstul)
 
Dokumentation von Bertram Jenisch, Freiburg
 
Der Paulinerorden entstand im 14. Jahrhundert durch den Zusammenschluss zuvor selbständiger Eremitengemeinschaften. Der Orden, dessen Prior im St. Laurentiuskloster zu Buda residierte, breitete sich im 14. Jahrhundert von Ungarn bis Polen und den Südwesten des Reiches aus. In Obernimburg bildete sich ein solches Eremitorium, das jedoch zerstört worden ist.
1387 übertrug Hesso von Hachberg-Höhingen diesen Pauliner-Ordensbrüdern das in seiner Herrschaft Höhingen gelegene Gotteshaus, Haus und Hofstatt zu St. Peter auf dem Kaiserstuhl sowie die Kirche und den Kirchensatz zu Vogtsburg. In Einträgen in Freiburger und Breisacher Zinsbüchern sowie im Urbar des Reuerinnenklosters zu Freiburg aus den Jahren 1450-1567 finden sich Hinweise auf das St. Peterskloster. Das Kollektenverzeichnis des Bistums (Registrum subsidii charitativi) führt in den Jahren 1469-1508 mehrmals das Haus der Brüder vom Orden des Hl. Paul als einziges Kloster des Dekanates Endingen auf. Das vermutlich mit nur wenigen Mönchen besetzte Kloster gelangte zu keiner großen Bedeutung und wurde vermutlich während der Reformation aufgelöst.
Unter Kaiserstuhl verstand man ursprünglich nicht das gesamte Vulkanmassiv, sondern bezeichnete  damit lediglich den heute als Neunlindenbuck bekannten Berg nördlich von Ihringen. Dort fanden sich noch am Ende des 19. Jahrhunderts Ruinen des Klosters. Am höchsten Punkt des Berges entdeckte man um 1900 beim Bau des Neunlindenturmes Baureste und Scherben.  Bei Planierungen östlich des Turmes wurden 1993/94 beim Anlegen einer Terrasse Nord-Süd verlaufende Fundamente beobachtet, die als Teile der Klosterbauten anzusprechen sind.
Auf dem Totenkopf, dem unmittelbar westlich benachbarten Berg, stieß man im 19. Jahrhundert beim Setzen des Marksteines auf ein Gewölbe, in dem sich Reste von menschlichen Skeletten fanden, die als Gruft der Ordensgeistlichen gedeutet wurden.

Das Bruderhäusle auf der Eichelspitze mit der St. Erhardskapelle

Karte: Lage von Peterskloster, Totenkopf und Einsiedelei
 
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