Einzigartiges Ambiente beim 13. Schwiboge-Wifescht
2. - 5. September 2011

 

"Drei Dinge sind’s, die geben den Wein: die Erde, die Rebe, der Sonnenschein. Doch wenn die Arbeit des Winzers nicht wär', blieb das schönste Weinglas leer". So eröffnete die Badische Weinprinzessin Corinna Trescher das Weinfest am Freitagabend. Und Bürgermeister Michael Bruder öffnete bei herrlichem Sommerwetter schwungvoll einen Regenschirm, um so den Regen aus Eichstetten zu verbannen. Die leichten Regengüsse an den kommenden drei Tagen und besonders am Sonntag beeinträchtigten den Festverlauf keineswegs. Im Gegenteil, sie brachten etwas Abkühlung und luden die Gäste zur Einkehr in die überdachten, schönen Festhöfe bei gutem Wein und diversen typischen "Eichstetter Hochzeitessen" und zum ausgiebigen Verweilen ein.

Sie sei sehr gerne zum Eichstetter Schwiboge-Wifescht gekommen, erklärte die Badische Weinprinzessin Corinna Trescher zur Eröffnung des Festes, um "mit Ihnen ein oder auch zwei gute Tröpfle Wein zu genießen". Eichstetten sei ein von Geschichte und Kultur geprägtes Weindorf. Die Fünfbogenbrücke führe einen in das schöne Eichstetten mit Fachwerkhäusern, Kirche und den charakteristischen Torbögen, den Schwibögen. Eine bessere Kulisse für ein Weinfest könne sie sich nicht vorstellen, mit hervorragenden Weinen und für die Grundlage sei auch reichlich gesorgt. "Wein verbindet, Wein bedeutet Geselligkeit, Wein ist Kultur!" Eichstetten stehe für liebevoll dekorierte Höfen und eine wundervolle Welt zwischen Musik und Wein." Dann stieß sie mit Bürgermeister Michael Bruder an und prostete den Gästen "Zum Wohl! Auf ein stets gefülltes Weinglas!" zu. Zur Eröffnung spielte der Musikverein und die Eichstetter Trachtengruppe schenkte kostenlos Rivaner des Weingutes Kiefer aus einem 25-Liter Holzfass aus. Die Eichstetter Weingüter und die Winzergenossenschaft hielten für das Fest über 70 verschiedene Weine – inklusive Sekte – zur Verkostung bereit.

Höhepunkt: "Trachtenhochzeit in Eichstetten" anno 1920-1935
Höhepunkt des Weinfestes war am Samstagnachmittag bei sommerlichem Hitzewetter der große Brauchtumsnachmittag zum Thema "Trachtenhochzeit in Eichstetten" anno 1920-1935. Sandra Rinklin (22) und Ulrich Danzeisen (18) stellten das Hochzeitspaar dar. Auf dem Podium neben dem Rathaus wurde das Hochzeitsfest anno dazumal gezeigt, vom Ankleiden und Abholen der Braut, dem Gang zur Kirche, Umzug durch das Dorf mit etwa 80 Eichstetter Hochzeitsgästen, Hochzeitsmenü, Übergabe der Hochzeitsgeschenke, geselliges Hochzeitsfest am Abend mit viel Wein und einem gestrengen Eichstetter "Aufwärter". Er hatte als einziger den Schlüssel zum Fassweinkeller, durfte nicht trinken und musste den Wein ausschenken. Der erste historische Hochzeitsumzug ging beim 2. Eichstetter Weinfest im Jahr 1987 über die Bühne. Eine echte Trachtenhochzeit in Eichstetten jedoch fand zuletzt im Jahr 1959 statt, so Moderator Werner Müller, Vorsitzender der Eichstetter Trachtengruppe. "Unter die Haube kommen" Müller erläuterte, dass früher die Hochzeiten im Winter stattfanden, keineswegs jedoch im September wie auf dem Weinfest. Damals gab es ja noch keine Kühlschränke und die Hochzeitfeierlichkeiten auf dem Lande zogen sich früher über zwei Wochen hin. Rasch wurde bei der Brauchtumsschau beim Weinfest klar, dass die Hochzeit im evangelischen Eichstetten früher eine ernste Sache war. Die Frauen trugen schwarze Kleider, schwarze Hörnerkappen und die Männer schwarzen Frack und schwarzen Zylinder. Nur die Kinder waren farbenfroher gekleidet und bloß die unverheirateten Frauen trugen ein weißes Umhängetuch. Die schwarze Kleidung der verheirateten Frauen sollte sicherstellen, dass sie ab ihrer Heirat für andere Männer nicht attraktiv sein sollten. Müller erläuterte den Begriff "unter die Haube kommen". Nach der Heirat war früher den Frauen das Tragen der offenen Haare nicht mehr gestattet: Die Zöpfe wurden zu einem Dutt hochgesteckt und die Braut erhielt eine Hörnerkappe. Sehr schön war früher auch der Brautkranz der Frau. Pfarrerin Irene Hassler erklärte den Sinn der Trausprüche anlässlich einer Hochzeit. Interessant war auch der Brauch, zur Hochzeit Hochzeitsbrot und Hochzeitswein zu verteilen. Die Hochzeitsspeisen waren am Fest zu probieren Müller erklärte auch die damals üblichen Hochzeitsspeisen und ihre Abfolge. Vor dem Kirchgang wurde üblicherweise saure Leberle mit Hochzeitsbrot serviert. Nach dem Kirchgang wurde aufgetischt: Als Vorspeise Nudelsuppe und Rindfleisch mit Meerrettich und Brot, als Hauptspeise Halsbraten mit Nudeln und Salat und als Nachspeise Weinsauce mit Biskuit, sowie Kaffee und Kuchen. Für den kleinen Hunger am Abend gab es dann eingemachtes Kalbfleisch mit Nudeln und zur späten Stunde erhielten die "lieben Gäste" Bratwürste mit Wirsing und Brot. Diese Speisen gab es beim Weinfest sinnigerweise in den Höfen des Schützenvereins, des Roten Kreuzes, der Landfrauen, im Gasthaus Ochsen und bei der Trachtengruppe Eichstetten zu probieren. Das war eine besonders gute Idee der Organisatoren des Eichstetter Weinfestes 2011.

Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Musik
Musikalisch ging es am Sonntag zu: Mit einem Platzkonzert des Musikvereins Bahlingen auf dem Podium, Handharmonika-Auftritten, Gebirgstrachtenjugend, Männerchor, Musikzug, Volkstanzgruppe und Livemusik in fast allen Höfen, zum Verweilen und auch Tanzen. Überhaupt ist das Weinfest Eichstetten ein berauschendes Fest der Live-Musik mit hörenswerten Gruppen. Von zünftiger Volksmusik über Rock, Pop bis hin zu Bigband-Jazz beim Musikverein. Die Vereine überboten sich gegenseitig im Musikprogramm. Allemal einen Besuch wert war auch die kontrastreiche, neu gestaltete und ganz moderne VIP-Lounge des Sport-Clubs Eichstetten. Hier waren zu speziellen Köstlichkeiten ausgewählte Eichstetter Wein- und Sektspezialitäten zu genießen. Einmal etwas anderes und der (gelungene) Versuch, bewusst Gegen-Akzente zu setzen.

Kindernachmittag
Das Eichstetter Weinfest endete am Montag nach vier herrlichen Festtagen: Am Mittag gab es einen Ballonflug-Wettbewerb. Dann folgte ein großes Kinderprogramm am Nachmittag mit vielen Stationen und dem begehrten Kinderschminken, eine Aufführung der Karategruppe des Turnvereins und abends bis spät in die Nacht wieder Musik und Tanz in den Höfen, und vielen letzten Gesprächen kurz vor Schluss bei den Wein- und Sektständen.
  Text und Foto: Horst David

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